Bürgermeister Matthias Müller ist zuversichtlich, dass die sächsische Staatsregierung jetzt die Zukunft Hubertusburgs auf den Weg bringt

LVZ          19:00Uhr,  10.01.2020

„Knappes Bauland ist ein echtes Dilemma“

 

Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller hat für 2020 viel vor. Was gebaut werden soll und welche Wünsche noch offen sind, darüber spricht er im Interview.
Ein Großprojekt ist abgehakt, das nächste wartet bereits. Was sich zwischen der Einweihung der Grundschule und den Bauarbeiten am Westflügel des Alten Jagdschlosses sonst noch in Wermsdorf tut und warum er Vertrauen hat, darüber spricht Bürgermeister Matthias Müller (CDU) im Neujahrsinterview.
2019 konnten Sie ein Großprojekt abschließen und die neu gebaute Grundschule in Wermsdorf eröffnen. Wenn Sie das Haus nun jeden Tag vom Schloss aus sehen: Sind Sie zufrieden?
Wir können alle sehr zufrieden sein. Kinder und Lehrer haben dort beste Bedingungen und sind glücklich. Die zugegebenermaßen ausgefeilte Technik funktioniert und sorgt für ein gutes Klima im Haus. Die Endabrechnung, auch die der Förderung steht noch aus – erst dann können wir endgültig Bilanz ziehen. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass der Bau eine Punktlandung war und finanziell absolut im Rahmen geblieben ist.
Was war vergangenes Jahr noch besonders prägend?
Dazu gehört sicher die Sonderausstellung im Schloss Hubertusburg, die trotz der kürzeren Vorlaufzeit sehr erfolgreich war. Es gibt eine wunderbare Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die macht wirklich Spaß.
Bleibt die Frage, wie es nun weitergeht.
Die Entwicklung von Schloss Hubertusburg hat sogar Einzug in den Koalitionsvertrag gefunden, mittlerweile gibt es ein viel breiteres Unterstützerfeld, daher bin ich zuversichtlich, dass weiter an einer dauerhaften Nutzung gearbeitet wird. Ich werde auch den Kontakt zu unserem neuen Finanzminister suchen, um ihm Hubertusburg ans Herz zu legen. Abgesehen davon ist für dieses Jahr bereits eine Reihe von Konzerten, Veranstaltungen, Hochzeiten und privaten Feierlichkeiten auf dem Gelände des Schlosses geplant.
Wo wird im neuen Jahr zuerst investiert?
Die Sanierung der ehemaligen Taschupa in Liptitz, die heute von den Einwohnern als Vereinsgebäude genutzt wird, beginnt. Und sobald die Witterung es zulässt, startet in Reckwitz der Straßenbau. Größte Herausforderung werden Planung und Organisation sowie die verfeinerte Konzeption für den Westflügel am Alten Jagdschloss. Unser Ziel ist, noch 2020 mit den Bauarbeiten zu starten. Doch vorher müssen wir uns, gemeinsam mit potenziellen Nutzern, Gedanken über die Raumaufteilung machen. Es geht darum, herauszufinden, wie der Bedarf aussieht: Brauchen wir kleinere Einheiten für Vereine und zum Arbeiten, größere Flächen für Künstler und ihre Ausstellungen? Wir wollen den Schlossflügel mit Leben füllen, das soll kein Verwaltungsbau werden. Mir ist bewusst, dass das zeit- und kraftintensiv wird, aber es wird auch spannend.
Gibt es weitere Pläne für das Ortszentrum?
Parallel zum Alten Jagdschloss müssen wir uns überlegen, wie es mit der Alten Poststation weitergeht. Bisher waren hier Grundschule und Hort unter einem Dach. Nun, nach dem Neubau nebenan, sollten angemessene Bedingungen für den Hort in dem historischen Gebäude ein weiteres Ziel sein, ich denke da vor allem an den Sanitärbereich und die Elektrik. Natürlich wollen wir das Haus auch außen sanieren, um das Ortsbild weiter aufzuwerten.
Die Nachfrage nach Bauland steigt, was sagen Sie den Interessenten?
Das ist ein echtes Dilemma, mittlerweile gibt es kaum noch Lücken, und es ärgert mich, wenn sich junge Leute in Wermsdorf niederlassen wollen und hier keine Möglichkeiten finden. Deshalb wollen wir das Baugebiet „Schlossblick“ schaffen. Den Anfang haben wir gemacht, wie schnell das Verfahren läuft, liegt allerdings nicht in unserer Hand.
Mahlen Ihnen die Mühlen der Bürokratie zu langsam?
Oftmals, ja. Der Landtagspräsident hat auf seinem Neujahrsempfang angekündigt, dass die Vorschriften um ein Drittel reduziert werden sollen. Da bin ich gespannt. Meine Erfahrung ist eher: Fällt eine Vorschrift weg, kommen zwei neue hinzu.
Was erwarten Sie diesbezüglich von der neuen Landesregierung?
Ich schaue mit Hoffnung nach Dresden und denke, dass von dort neue Impulse kommen – selbst mit den politisch unbedarften Grünen, die bisher keine Regierungserfahrung haben, jetzt aber Teil der Koalition sind. Seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Kretschmer hat sich vieles positiv entwickelt, man ist mehr im Gespräch. Ich habe Vertrauen, dass nicht nur geredet, sondern tatsächlich etwas getan wird – zum Beispiel auf dem Weg hin zu schlankerer Bürokratie und gestrafften Abläufen. Gelingt das, ist mir um die Zukunft Sachsens, um die unserer Gemeinde nicht bange.
Auch auf kommunaler Ebene gab es voriges Jahr Wahlen. Wie ist der neue Gemeinderat zusammengewachsen?
Trotz personeller Wechsel gibt es weiterhin eine angenehme, konstruktive und sachorientierte Zusammenarbeit. Das ist optimal und hilft der Gemeinde sehr.
Was wünschen Sie sich 2020 für die Kommune?
Ich wünsche mir, dass sich weiter genau so viele Menschen engagieren und nicht nur an sich selber, sondern auch an das Gemeinwohl denken. Und dass ich weiterhin so tolle Mitstreiter habe.
Von Jana Brechlin