Das Kunstwerk von Ralf Witthaus im Hubertusburger Barockgarten ist vollendet - Besuchen Sie es JETZT!

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vom 30.07.2019

Rasenkünstler Ralf Witthaus
Vergängliche Schönheit: Der rekonstruierte Wermsdorfer Schlosspark von oben

Der Künstler Ralf Witthaus hat mit 40 Helfern den Garten von Schloss Hubertusburg rekonstruiert. Viel Zeit bleibt Besuchern nicht, um sich das Kunstwerk anzusehen. Bald schon wächst das Gras wieder darüber.
Es bleibt nicht viel Zeit: „Dieser Rasen wird in ganz, ganz wenigen Tagen diese Zeichnung wieder verdecken. Wer das ‚Sächsische Versailles’ einmal gesehen haben will, der muss in den nächsten zwei Wochen hier gewesen sein“, sagte der Kölner Aktionskünstler Ralf Witthaus, als er und seine Helfer am vorletzten Freitag ihr Werk in Wermsdorf vollendet hatten.
Fotos "Der Garten in mir" festgehalten und zur Verfügung gestellt von Andreas Engel
„Der Garten in mir“ soll die Dimension des einstigen Gartens von Schloss Hubertusburg aufzeigen. Erahnen lassen sich die aus Bodennähe nur spärlich, daher war das Smartphone-Display von Andreas Engel aus Wermsdorf bald dicht umreiht: Richtig zur Geltung kam etwa das Spruchband („Wähle Ungnade, wo Gehorsam keine Ehre bringt“) erst aus der Höhe, aus der seine Drohne filmte. Um auch anderen einen Eindruck des Kunstwerks mitten in der Landschaft zu vermitteln, stellte er uns seine Bilder und ein Video freundlicherweise zur Verfügung. Sie finden es auf www.lvz.de/region.
Künstler, Studenten, aber auch Rentner, Architekten, Ingenieure, ein Oberregierungsrat oder der Wermsdorfer Bürgermeister Matthias Müller (CDU) hatten zuvor zur Motorsense gegriffen, um auf der Grasnarbe circa ein Zehntel des verlorenen Gartens des Rokokoschlosses wieder auferstehen zu lassen. 40 Helfer, die Hälfte aus Wermsdorf und Umgebung, der Rest aus Deutschland oder den Niederlanden frästen sich in festlicher Kleidung durch das Gras.
Ein Eingriff, der nicht von Dauer sein wird, sondern den Moment feiert: Im Gegensatz zu anderen Kunstbollwerken, die geschaffen werden, um die Zeiten zu überdauern, will das der 45-jährige Witthaus mit seiner „Intervention“ in der Landschaft gerade nicht: „Rasenmäherzeichnungen sind etwas ganz Leichtes“, erklärte er zur Einweihung. „Auf der einen Seite stehen vielleicht 1000 bis 1500 Mannstunden Arbeit, keine Frage. Aber auf der anderen Seite wissen alle: Das geht auch wieder weg.“

Der Künstler Ralf Witthaus hat mit 40 Helfern den Schlossgarten rekonstruiert. So richtig zur Geltung kommt dies erst von oben, wie die Drohnenaufnahmen von Andreas Engel aus Wermsdorf zeigen.
Er könne richtig gut zeichnen, verriet Witthaus, wie er zu diesen großflächigen Arbeiten gekommen sei, „aber irgendwann hatte ich die Chance eine 550 Meter lange Frau aus Erde zu modellieren – sieben Meter hoch, 70 Meter breit.“ Weil er zuvor immer nur auf DIN-A4-Format gearbeitet habe, wusste er nicht, ob er das schaffe. Es gelang. Bei einem Landschaftsfestival griff er dann zur Motorsense und stellte fest, er könne auf 100 000 Quadratmeter frei Hand zeichnen.
Vielleicht noch eine weitere Woche, vielleicht noch etwas mehr, bleibt Besuchern, um sich das „Sächsische Versailles“ anzusehen und bei dieser Gelegenheit die Sonderausstellung zur „Hochzeit des Jahrhunderts“ von Kurprinz Friedrich August, Sohn Augusts des Starken, und Kaisertochter Maria Josepha anzusehen.
Definitiv zu spät ist, wer Ralf Witthaus dann wieder vor Ort antrifft. Denn nachdem die Arbeit beendet ist, mache er ein Foto, fahre nach Hause und komme erst wieder, wenn alles wieder zu gewachsen sei. „Das ist der Bruch, den ich mache.“
Von Manuel Niemann