2019 ist das Jahr der 2. Sonderausstellung in Hubertusburg

2019 ist das Jahr der 2. Sonderausstellung in Hubertusburg - Nutzen Sie das für einen Ausflug nach Wermsdorf!

Unter dem Thema „ Friedrich August und Maria Josepha – das verlorenen sächsische Rokoko“ erleben zur Zeit viele tausend Gäste eine wunderschöne Ausstellung in Hubertusburg. Viele weitere Veranstaltungen würdigen diese Hochzeit des Jahrhunderts.
Siehe: https://www.traumhochzeit1719.de/exklusive-einblick-schloss-hubertusburg/
Exklusive Einblicke
Schloss Hubertusburg

Das vergessene Fürstenschloss ist zurück
Vergessenes Fürstenschloss und ein Ort, an dem europäische Kultur-Geschichte geschrieben wurde: Hubertusburg. Nun kehrt es zurück. Mit einer spannenden Schau.
Das Herrscherpaar ist zurück auf seiner Lieblingsresidenz. Auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf. Eine multimediale Inszenierung macht es möglich, dass Sachsens Kurprinz Friedrich August II. und die österreichische Kaisertochter Maria Josepha nun quasi ihre Hochzeit noch einmal feiern können. In der noch bis Oktober laufenden Sonderausstellung rund um die Hochzeit, die 1719 vier Wochen lang gefeiert worden war. Und es war ein Spektakel, es war tatsächlich die „Traumhochzeit des Jahrhunderts“ und die können die Besucher in einem Raum erleben, der Dank modernster Technik zum Festsaal wird. An die Wände gebeamte Scans von Gemälden und Kupferstichen lassen die Szenerie wieder lebendig werden.
Und überhaupt ist es eine begeisternde Ausstellung. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden aus dem etliche der Ausstellungsstücke stammen, kam bei der Eröffnung der Schau in Hubertusburg jedenfalls hörbar ins Schwärmen: „Was wir hier machen ist, in Sachsen verborgene Schätze zu heben – ja Europas verborgene Schätze zu heben, denn es ist ein europäischer Kulturort, den wir hier haben.“ Und in der Tat war die Hochzeit 1719 ein europäisches Projekt. „Dabei ging es nicht nur darum, den Machtanspruch zu demonstrieren, sondern das hatte vor allem eine kulturelle Dimension“, ist Dirk Syndram überzeugt. „Sachsen öffnete sich und lud die damalige Welt ein.“ Wobei die Hochzeit sozusagen der Start war, denn das künftige Herrscherpaar hielt dieses Projekt zeitlebens hoch. Und das nicht nur in der Residenz in Dresden, sondern eben auch in ihrem Lieblingsschloss, in Hubertusburg. „Hier nach Hubertusburg kamen angesehene europäische Musiker und Künstler – heute würde man sagen, das Paar hat die Kunst aufs Land gebracht“, so Syndram augenzwinkernd. Seit 1736 gab es hier gar ein Opernhaus. Meist im Herbst wurde Hubertusburg zur sächsischen Residenz, „mit Festen und musikalischen Aufführungen; ein Zentrum von Kunst und Kultur“.
Einen ersten Schritt, diesen europäischen Kulturort Hubertusburg nun wieder zurückzuerobern, geht Sachsen mit der derzeit laufenden Sonderausstellung. Modern und spannend. Lehrreich, ohne erhobenen Zeigefinger. Große Historie, modern inszeniert.
Von Jens Fritzsche

Geschichten aus dem Fürstenleben in Sachsen
Kurator Stefano Rinaldi zeigt einige seiner Lieblingsobjekte aus der Sonder-Ausstellung zur Traumhochzeit 1719 auf Schloss Hubertusburg.

Zwischen den großformatigen Schätzen des Grünen Gewölbes oft übersehen, hat er in Wermsdorf den Ehrenplatz inne: der Anhänger mit dem Emailbildnis des Kurprinzen Friedrich August. Denn als offizielles Verlobungsgeschenk an Maria Josepha besitzt er nicht nur materiellen und künstlerischen, sondern auch dynastischen und zeremoniellen Wert. Überreicht wurde das Medaillon von Georg Friedrich Dinglinger eine Woche vor dem Hochzeitstermin – und natürlich nicht ohne Zustimmung der kaiserlichen Verwandtschaft der Braut. Diese war zuvor vom sächsischen Minister Jacob Heinrich Graf von Flemming eingeholt worden.
Kennengelernt hatten sich die Brautleute am Wiener Hof, dem krönenden Abschluss von Friedrich Augusts Kavalierstour durch Europa – und sie nahmen zusammen am Hofleben teil. Ihrer gemeinsamen Tochter war das später nicht vergönnt: Maria Amalia, deren Vermählungsmedaillon im letzten Raum zu sehen ist, begegnete ihrem Bräutigam erst nach der Stellvertreterhochzeit.

Ereignis fürs Auge
Wie kaum ein anderes Objekt zeigt die Sänfte, dass das Erscheinen des Königs ein Ereignis fürs Auge war. Ihre Wände sind bedeckt mit hochkarätiger Malerei von Christian Wilhelm Ernst Dietrich: In Allegorien preist sie Friedrich August II. als Herrscher über Sachsen und Polen sowie als Förderer von Wissenschaft und Kunst. Durch die Goldschicht zwischen Holz und Farbe wirkt die Sänfte fast wie eine Goldschmiedearbeit.
Zwar ist nicht bekannt, wann und wie oft diese Sänfte zum Einsatz kam, doch sicher ist, dass sie der König persönlich bei besonderen Anlässen nutzte. Getragen wurde sie dann von zwei Heiducken – kräftigen Lakaien in altungarischer Soldatentracht. Für die Ausstellung auf Schloss Hubertusburg fand Stefano Rinaldi das höfische Repräsentationsobjekt in Moritzburg. Dort wird sie aus konservatorischen Gründen vorübergehend nicht in der Dauerausstellung gezeigt, sondern ist im Depot verwahrt.

Anders als August der Starke, der meist allein in Erscheinung trat, inszenierte sich sein Sohn als Familienmensch mit vielen Kindern. Und der Nachwuchs war ein geopolitisches Kapital: Unter der geschickten Führung des Grafen Heinrich von Brühl war die sächsische Außenpolitik stark auf strategische Hochzeiten fokussiert. Sie sollten Allianzen stärken und den Einfluss in Europa vergrößern.
Brühls diplomatisches Meisterstück gelang 1747, als er eine ebenfalls Maria Josepha genannte Tochter des sächsischen Regentenpaares unerwartet mit dem französischen Thronfolger – dem Dauphin – verheiratete. Als Dank bekam Brühl die Elfenbein-Allegorie, die einen nackten Jüngling mit den Wappen von Sachsen-Polen und Frankreich zeigt. Je länger man hinschaut, so Rinaldi, desto mehr Delfine entdeckt man an der vermutlich aus Dieppe stammenden Figur. Nach Brühls Tod gelangte sie ins Grüne Gewölbe.
Von Birgit Hilbig

Gebaut von Silbermann
Eigentlich war das Cembalo gar nicht erste Wahl, als es um die Illustration des Musiklebens am Hof Friedrich Augusts ging. Doch dann erwies sich das zweimanualige Instrument aus dem Pillnitzer Kunstgewerbemuseum als musealer Glücksgriff: Denn es steht nicht nur für die profane Musik des 18. Jahrhunderts, sondern schlägt über seinen Erbauer auch einen Bogen zur religiösen. Schließlich ist Gottfried Silbermann in erster Linie für seine Orgeln berühmt.
Im (Opern-)Orchester der damaligen Zeit waren Cembali tragende Elemente: Hofkomponist Johann Adolf Hasse spielte bei Aufführungen sogar höchstselbst. Und angeblich sind die bekannten Goldberg-Variationen von Bach ausdrücklich für ein zweimanualiges Cembalo von Silbermann geschrieben. Was genau auf dem gezeigten Instrument erklang, ist leider nicht überliefert – doch es ist eins von nur drei erhaltenen Silbermann-Cembali.
Für den finalen Stoß
Neben der Musik liebten Friedrich August und Maria Josepha vor allem die Jagd: Ganz Hubertusburg ist für die Parforcejagd konzipiert. Bei dieser extrem aufwendigen Variante hetzt die ganze Gesellschaft mitunter tagelang einen einzigen kapitalen Hirsch – bis dieser erschöpft zusammenbricht und mit dem Hirschfänger den finalen Todesstoß erhält. Ausführen durfte ihn natürlich kein anderer als der Jagdherr.
Zwei besonders wertvolle Hirschfänger sind im vierten Raum der Ausstellung zu sehen: einer mit einem Griff aus Meissener Porzellan und einer mit einem Griff aus geschnittenem Achat. Geschmückt sind beide selbstredend mit Jagd- und Wildszenen. Während ersteres Exemplar erst relativ spät für die Rüstkammer erworben wurde, könnte das mit dem Achatgriff tatsächlich in Wermsdorf benutzt worden sein.

Die Zukunftspläne für Sachsen: Begehbare Gemäldegalerie
Wenn ein Finanzminister bei einem solchen Projekt ins Schwärmen kommt, dann muss es wirklich ein ganz besonderes Bauwerk sein, in das demnächst sächsische Mittel fließen werden. Das „sächsische Versailles“, sagt Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU), wenn er von Europas größtem Jagdschloss –  Schloss Hubertusburg – spricht. Und er legt sich schon mal fest: „Das Schloss soll wieder zu einem Kunst- und Kulturzentrum des Landes werden!“ Der Freistaat arbeite deshalb an einem Konzept „für eine dauerhafte Nutzung der Riesenanlage“, verriet der Minister jüngst bei der Einweihung der Sonderausstellung rund um die Traumhochzeit, die noch bis Oktober im Schloss Hubertusburg zu erleben ist. Und nennt dann auch eine der möglichen Nutzungsideen für das Schloss, eine spektakuläre: „Wir prüfen die Einrichtung eines Schaudepots der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.“ Sind hier in Hubertusburg also bald beispielsweise bisher verborgene Schätze der berühmten Dresdner Gemäldegalerie zu sehen? „Wir suchen dringend seit Jahren ein Zentraldepot für unsere 15 Sammlungen“, so Generaldirektorin Marion Ackermann. „Die Fülle, die wir nicht zeigen können, gehört ja den Menschen.“

Sachsens Schmuckstück des Rokoko
Regierungsbaumeister Ingo Fischer kennt jede einzelne Treppenstufe von Schloss Hubertusburg. Vor allem wünscht er sich, dass sie von vielen Besuchern genutzt werden.
Auf den preußischen Offizier Quintus Icilius ist Ingo Fischer nicht wirklich gut zu sprechen. Auch 260 Jahre später nicht. Ingo Fischer, Regierungsbaumeister beim Staatsbetrieb Sächsisches Baumanagement, ist augenzwinkernd gesagt „Herr von Schloss Hubertusburg“ in Wermsdorf bei Oschatz.

Und besagter preußischer Offizier hatte 1761 dafür gesorgt, dass dieser bis dahin so stolze Rokoko-Prachtbau –  das Lieblingsschloss des sächsischen Herrscherpaares Friedrich August und Maria Josepha – komplett geplündert wurde. Auf ausdrückliches Geheiß des Preußenkönigs Friedrich II. übrigens, der im Laufe des Siebenjährigen Krieges Sachsen besetzt hatte. „Möbelstücke, Porzellan, Kunstwerke, Leuchter, Gobelins, Parkett, Tapeten, Beschläge, die Turmuhr, die Glocken, die Kupferdächer, die Schlossbibliothek“, zählt Ingo Fischer auf, was die Preußen damals fortschleppten.
Es ist nur eine von zahllosen Geschichten, die Ingo Fischer über „sein“ Schloss erzählen kann, für dessen Sanierung er zuständig ist. „Wir müssen hier Nutzungen reinbringen“, sagt er zu zwei Vertretern vom Landesamt für Denkmalpflege, die gerade prüfen, ob sie die Bauteile-Sammlung des Amtes in der Brühlschen Scheune unterbringen könnten, die zum riesigen Schloss-Areal gehört. Genügend Platz gäbe es schon mal.
Vielleicht auch bald Geld. Das soll nach Hubertusburg fließen und Wermsdorf aus seiner Beschaulichkeit holen. Ein Ort, eingerahmt von hochfliegenden Schwalben und den alten Bäumen des Schlossparks. Zu beschaulich nach dem Geschmack von Ingo Fischer: „Wir brauchen hier Anreize zum Schauen, zum Erleben!“ Denn dieses Schloss im mittelsächsischen Flachland ist es wert, ein Publikum zu haben. Auch wenn den großen Saal des Nordflügels noch braunorange Tapetenmuster aus den 1970er Jahren zieren oder handgemalte Schildchen an vier Meter hohen Flügeltüren auf „Raucherzimmer“ verweisen – Relikte des Klinik-Komplexes, der hier zu DDR-Zeiten untergebracht war. Zurzeit lässt Sachsens Finanzministerium in einer Machbarkeitsstudie prüfen, wie die Anlage mit ihren 12.000 leerstehenden Quadratmetern genutzt werden könnte. „Es braucht ein langfristiges Konzept, um Hubertusburg nachhaltig zu beleben“, kündigte Ministerpräsident Michael Kretschmer im April zur Eröffnung der noch bis Oktober hier laufenden Sonderausstellung „Das verlorene sächsische Rokoko“ an. Kulturelles Zentrum, sächsisches Humboldt-Forum – an Verheißungen fehlt es nicht. Doch was hat es mit Hubertusburg überhaupt auf sich?
Hubertus ist der Schutzheilige der Jäger. Das erklärt sowohl den Namen als auch die Tatsache, warum Sachsenherrscher August der Starke entschied, seinem Sohn im mittelsächsischen Flachland ein „sächsisches Versailles“ anlegen zu lassen, wie es Dirk Syndram schwärmerisch nennt, der Chef des Dresdner Grünen Gewölbes, aus dem hier nun einige Stücke in der Sonderschau zu sehen sind. Das Gelände war ideal für die Parforcejagd, die im Barock die Funktion einer heutigen 100-Meter-Yacht erfüllte: Zeit so teuer, aufwendig und elitär wie möglich zu verbringen, beschreibt Ingo Fischer, der mit seinem hochgezwirbelten Schnurrbart selbst perfekt ins Bild einer barocken Jagdgesellschaft passt. Aber er ist vor allem eines: leidenschaftlicher Sanierer historischer Gebäude. Und weiß natürlich um die Leistungen seiner sozusagen Vor-Vorgänger.
Zunächst hatte August der Starke seinen Obristen Johann Christoph von Naumann 1721 angewiesen, das alte Jagdschloss aus dem wettinischen Familienbesitz zum Hochzeitsgeschenk zu ertüchtigen. Denn der Kurprinz Friedrich August heiratete mit Maria Josepha nicht nur die Habsburger Kaisertochter, sondern auch eine passionierte Jägerin: „Sie soll bei jeder Ausfahrt eine Armbrust dabeigehabt haben“, kennt Ingo Fischer auch diese Geschichte. Wie er quasi jeden Nebensatz kennt, der jemals im Zusammenhang mit Hubertusburg fiel: „Zur besseren Bequemlichkeit des Kurprinzen“ projektierte Naumann in Wermsdorf im großen Stil. Schlossküche, Bäckerei, Schmiedehof, Kasernenbauten, Pferdeställe, Hundeställe waren nur Funktionsbauten. Als Hauptdarsteller wurde das alte Jagdpalais ergänzt, bezugsfertig um 1727. „Friedrich August und Maria Josepha verbrachten ihre ersten Ehejahre hier sehr glücklich“, weiß Fischer. Sie nutzten das Schloss regelmäßig, bis August der Starke 1733 starb und Friedrich August seine Nachfolge als Kurfürst in Dresden und König von Polen in Warschau antrat.
Aber Hubertusburg blieb dennoch regelmäßige Residenz, das Paar war jedes Jahr etliche Monate hier. „Das Schloss ließ der Kurfürst zum Höhepunkt der absolutistischen Architektur in Sachsen ausbauen.“ 1736 beauftragte Friedrich August seinen Oberlandesbaumeister Johann Christoph Knöffel mit den Planungen eines neuen, fast 100 Meter langen und 80 Meter breiten Schlosses. Knöffel gilt nicht grundlos bis heute als Begründer des sächsischen Rokoko. Und so zeugen hier noch immer kunstvoll konvex-konkav geschwungene Treppendetails von Knöffels Gespür für Harmonie und Drama. Wer sich jemals gefragt hat, warum Dresden so viel Barock, aber so wenig Rokoko hat: In Schloss Hubertusburg wäre es gewesen.
Und damit ist Ingo Fischer wieder bei der Plünderung 1761, nur 25 Jahre nach Knöffels ersten Planungen. Das Herrscherpaar war schon 1756 letztmals hier, sah sein Lieblingsschloss nie wieder. Außer der katholischen Kapelle, die die Preußen nicht antasteten, hat nur ein einzelner Saal zumindest Teile des Rokoko-Stucks bewahrt. Und damit eine leise Ahnung, mit welch sorgloser Verspieltheit hier einst Hof gehalten wurde.
Von Siri Klose

Ein erster Schritt, diesen europäischen Kulturort Hubertusburg nun wieder zurückzuerobern, geht Sachsen mit der derzeit laufenden Sonderausstellung. Modern und spannend. Lehrreich, ohne erhobenen Zeigefinger. Große Historie, modern inszeniert.
Von Jens Fritzsche

Die Ausstellung auf Schloss Hubertusburg läuft noch bis zum 6. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr. Eintritt: 7 Euro (ermäßigt 5 Euro), Kinder bis 16 Jahre frei.
www.schloesserland-sachsen.de

Siehe: https://www.traumhochzeit1719.de/war-es-liebe-das-brautpaar/
WAR ES LIEBE?
DAS BRAUTPAAR

Die Hochzeit mit Europa
Perfekt inszeniert und politisch clever: Die Traumhochzeit in Dresden sollte Sachsen mehr Macht verschaffen. Und natürlich vor allem Glanz verbreiten.
Wenn heute Töchter oder Söhne europäischer Königshäuser vor den Altar treten, wird der Pomp groß inszeniert. Die Zeitungen und Illustrierten sind voll davon, die Einschaltquoten bei den Fernseh-Übertragungen hoch. Die digitale Welt platzt vor Bilderlust. Immer noch genießt das Publikum staunend den Glanz und die schönen Traumkulissen.

Was vor 300 Jahren in Sachsen stattfand, lässt allerdings heutige Vermählungen von sogenannten Hochwohlgeborenen aussehen wie ein Erntedankfest. Als 1719 die Hochzeitsparty des 23-jährigen sächsischen Kurprinzen Friedrich August mit der 20-jährigen österreichischen Erzherzogin Maria Josepha in Dresden stattfand, geriet die Elbestadt in einen wochenlangen Ausnahmezustand.
Die eigentliche Heirat hatte bereits am 20. August ohne viel Aufhebens in der Kapelle der Favorita in Wien stattgefunden. Die große Flitterfete indes lief vom 2. September bis zum 12. Oktober in der sächsischen Residenz ab.
Das Volk staunte damals ebenfalls, aber gehörte vor allem zur Prachtparade dazu, stand geordnet Spalier oder musste als Komparserie beim Festgelage mitspielen. Vorher durften sich die Untertanen gratis betrinken, denn sie sollten recht heiter gucken und den Zinnober lustig finden. Eine Bürgermiliz bekam zudem die Aufgabe, lauernde Bettler vor den Toren der Residenz abzuwimmeln, damit die Unterschicht den schönen Schein der prächtigen Haupt- und Staatsaktionen nicht störte.
GANZ EUROPA SCHAUTE NEIDISCH AUF DAS FEIERNDE SACHSEN
Ganz Europa schaute während der tollen Tage neidisch auf das Kurfürstentum Sachsen, in dem August der Starke, der Vater des Kurprinzen regierte und alles dirigierte. Der Kurfürst liebte den Glanz, Kunst, erotische Abenteuer und neigte zur Leibesfülle, vor allem jedoch setzte er seine allumfassende Machtposition durch. Er verstand sein Sachsen nicht als lächerlichen Kleinstaat eines Provinzfürsten, sondern als europäische Großmacht, die kulturell, wirtschaftlich und militärisch voranschreiten sollte. Als Mittel zum Zweck diente ihm zum einen, sich vom sächsischen Kurfürsten zum König von Polen zu erheben, vor allem aber strebte er danach, die römisch-deutsche Kaiserkrone nach Sachsen zu holen. 1711, als er nach dem Tod Kaiser Josephs I. das Reichsvikariat innehatte, sah er dafür die beste Chance. Doch die höchste Insigne christlicher Herrscher blieb den Habsburgern vorbehalten. So hoffte August der Starke, mit der Vermählung seines Sohnes mit der Kaisertochter, dem Nachwuchs gelängen eines Tages, was ihm verwehrt blieb.

DIE JUNGE EHE SCHLOSS EINE WICHTIGE ALLIANZ MIT ÖSTERREICH
Die Hochzeitsfeier vor 300 Jahren funktionierte nicht zuletzt als grandioses Marketing, um das Land als Teil eines europäischen Adelsverbundes zu präsentieren. Selbstredend steckten dahinter Machtansprüche, aber zugleich ein Verständnis für das kontinentale Zusammenspiel. Frankreich, Polen, Preußen, Russland, Österreich und Schweden standen sich mal als Feinde, mal als Verbündete gegenüber. Sachsen geriet dabei oft genug in die Schusslinie und verlor jeden Krieg. Die Ehe der jungen Blaublüter dagegen schloss eine Allianz mit Österreich, um sich unter anderem gegen das aggressiver werdende Preußen abzusichern. Der unterschiedliche Einfluss der europäischen Konkurrenten auf Sachsen war nicht zu übersehen und prägte das Land in ganz unterschiedlicher Weise.
Schon als Neunzehnjähriger reiste August der Starke während seiner Kavaliersreise durch Frankreich, Spanien, Portugal und Italien, ließ sich von Handwerk, Architektur, Kultur und Lebensweisen inspirieren. Er verstand es, sich des europäischen Wissens und der Kunst zu bedienen, um Sachsen zu einem angesehenen Land zu entwickeln. Insbesondere Venedig mit seinem Wasserlauf und den angrenzenden Palästen brachte ihn auf den Gedanken, im heimischen Dresden aus der Elbe eine Pracht- und Triumphstraße zu entwickeln, an der sich seine Schlösser wie eine Perlenkette reihen sollten. Frankreichs absolutistischen Regimes von Ludwig XIV. eiferte der Sachsenkurfürst nach, um ebenfalls sonnengottgleich herrschen zu können.
Die glamouröse Hochzeitsfeier startete übrigens in Pirna, wo der Gatte seine Braut in einer Buccentauro, die Replik einer venezianischen Staatsgondel, empfing. In Begleitung anderer Prunkschiffe schipperten sie mit Musik, die von sechs Obristen und zwei Hornbläsern intoniert wurde, in das barocke Dresden ein. Extra für das Fest ließ der Fürstvater in der Residenz das Opernhaus bauen und den Zwinger fertigstellen. Die Partylounge der Wettiner gilt als Zeugnis feinster barocker Architektur, inspiriert von italienischen Baumeistern. Festkultur, Architektur und Anspruch an Besonderes gehören bis in die Gegenwart zur Sachsen-DNA.
Der Sohn Augusts des Starken scherte sich zwar nicht so sehr um die politischen Verhältnisse und sein Vater-Land geriet nie zur Großmacht. Aber er vermehrte mit gutem Geschmack die Kultur und entwickelte Sachsen, im guten Einvernehmen mit seiner österreichischen Frau, zu einer Schatzkammer von europäischer Dimension.
Von Peter Ufer

Siehe: https://www.traumhochzeit1719.de/neues-gold-im-dresdner-schloss/

Neues Gold im
Dresdner Schloss

Alles bisher Dagewesene wird in den Schatten gestellt
Im September werden die Paraderäume im Dresdner Schloss wiedereröffnet. Dafür muss sogar die sächsische Geschichte umgeschrieben werden.
Wenn Zwei sich streiten, entsteht mitunter Märchenhaftes. Wie 1719 in Dresden, als Sachsenherrscher Friedrich August I. – der sich gern „der Starke“ nennen ließ – zuvor regelmäßig mit seinem „Bauminister“ August Christoph von Wackerbarth diskutierte. Es ging um den Umbau des nach einem Brand lange Jahre leerstehenden zweiten Obergeschosses im Residenzschloss an der Elbe, das für die Hochzeit des Kurprinzen – Augusts einzigen offiziellen Sohn – mit der Habsburger Prinzessin Maria Josepha zum Märchenschloss werden sollte. Und wurde! Wie Dr. Sabine Schneider verrät.
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Die Kunsthistorikerin leitet die detailgenaue Rekonstruktion der durch die Bomben des 13. Februar 1945 zerstörten historischen Paraderäume, durch die der sächsische Kurprinz Friedrich August und seine Habsburger Prinzessin 1719 beklatscht und bestaunt vom europäischen Adel schritten. Diese spektakulären Räume sollen Ende September wieder zeigen, was die 1719 aus ganz Europa angereisten adeligen Gäste bei dieser „Traumhochzeit des Jahrhunderts“ zu sehen bekamen. Denn das stellte alles bisher Dagewesene in den sprichwörtlichen Schatten, macht Sabine Schneider deutlich.
HIER IST WIRKLICH ALLES GOLD, WAS GLÄNZT!
An den Wänden drängten sich teuerste Samttapeten, vergoldeter Stuck und Türrahmen aus Marmor. In den Räumen, auf Vorhängen und Sitzmöbeln funkelten unter anderem 250 Meter Goldbrokat, 3.500 Meter Goldtressen sowie Hunderte Kilogramm vergoldeter Silberfäden, die aufwendig verwebt wurden. „Und das alles nur zu Schauzwecken“, sagt Sabine Schneider – zwischen langen weißen Tüchern, die von der gut 20 Meter hohen Decke hängen. Geschützt durch diese Tücher warten hier die fertigen, mit Goldfäden versetzten Textilien auf ihren Einsatz. Dann werden sie wieder zur atemberaubenden Kulisse in den Räumen, in denen es derzeit noch nach frischem Putz, Holz und Farbe riecht.
Noch müssen sich die wertvollen Stoffe also gedulden. Ein wenig abseits der wuseligen Bauarbeiten, in einem eher an einen Malsaal für Theaterkulissen erinnernden Raum voller bedeutungsschwerer Ruhe. Mittendrin näht und fädelt Julia Modest aus Paris. Seit 2015 ist die Expertin für das Dekorieren historischer Stoffe in Dresden, um mitzuhelfen, der Welt dieses glänzende Wunder im Residenzschloss zurückzugeben. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Müller vernäht sie dabei Samt an Samt und Goldfaden an Goldfaden. Und sind Beispiel für das europäische Projekt, zu dem das Ganze längst geworden ist. Etliche der im Original erhalten gebliebenen –  und nach 1943 im Schloss Rammenau bei Dresden vor Kriegsbomben geschützten – Posamenten werden beispielsweise in Wien restauriert. Samte kommen wie einst aus Genua, Florenz und Venedig. „Wir rekonstruieren die Stoffe fadengenau“, beschreibt Sabine Schneider. Heißt, auch auf die historische Technologie zurückzugreifen. „Goldfäden weben können nur noch einige wenige Manufakturen unter anderem in Frankreich, wir bekommen sie aus der Nähe von Lyon.“
Wenn sie all das erzählt, kommt die Kunsthistorikerin so wunderbar ins Schwärmen. Seit 2007 arbeitet sie mit ihrem Team daran, die Paraderäume wiederherzustellen. Auf ihrem Tablet – das stets griffbereit ist – kann Sabine Schneider diesen ganz besonderen Weg bereits wieder gehen. Den Weg, den vor 300 Jahren das Brautpaar durch das „Märchenschloss“ gegangen ist. Sie sieht die Räume bis ins kleinste Detail vor sich. Historische Fotos, Zeichnungen, „wir wissen sehr genau, wie alles ausgesehen hat“. Und wie es schon bald wieder aussehen wird. Es ist der Weg, den bald auch die Besucher gehen werden. Durchs sogenannte Grüne Tor an der Hofkirche rollte die Kutsche mit Maria Josepha auf den Schlosshof. Hier wartete der Kurprinz, unter dem Jubel der Höflinge ging es die breite „Englische Treppe“ im Ostflügel hinauf, durch den Riesensaal ins Riesengemach, im Turmzimmer protzte der wettinische Silberschatz. Es folgte der Steinerne Saal, bis das Paar letztlich in den Paraderäumen anlangte, wo es August der Starke und seine Frau Eberhardine empfingen. Und überall drängten sich die adeligen Gäste. Es war eine wirkliche Parade. Eine Parade der Superlative, jeder neue Raum setzte einen noch glänzenderen Akzent. Schwerer, frei hängender Samt an den Wänden, schwere Goldstickerei … Hier war wirklich fast alles Gold, was glänzte, sagt Sabine Schneider in Anspielung auf ein bekanntes Sprichwort.
AUGUST DER STARKE LÄSST SICH ÜBERREDEN
Vorausgegangen war der erwähnte monatelange Disput, ein zähes Ringen: Denn während Sachsenherrscher August der Starke eher an den Hof des französischen Sonnenkönigs schaute, blickte Wackerbarth pragmatischerweise nach Wien. Und musste dabei durchaus hart im Nehmen sein, ist in den erhaltengebliebenen Briefen zu lesen. Die schweren Samtstickereien, kritisierte August beispielsweise den Vorschlag Wackerbarths, würden aussehen wie alte Kleider und seien außerdem noch teuer. „Aber die Briefwechsel zeigen auch, dass sich August und Wackerbarth letztlich stets einig wurden“, weiß Dr. Schneider. Schließlich war das Ziel der beiden dasselbe: Sie wollten die Gäste beeindrucken.
„Die Kulisse für das Zeremoniell war perfekt eingerichtet“, beschreibt die Kunsthistorikerin. Neben dem erwähnten „Show-Wert“ sah August darin wohl vor allem eine Wert-Anlage. „Und viele der Einrichtungsgegenstände lagerten dabei schon seit Jahren in der Schatzkammer.“ Gut 80 Prozent der Stickereien beispielsweise waren bereits 1711 in Paris gekauft worden. Also acht Jahre vor der Hochzeit. „August der Starke plante langfristig und perfekt.“ Auch diese Aufarbeitung gehört zur Arbeit Sabine Schneiders. Und ein Stück weit wird von ihr nun auch die sächsische Geschichte umgeschrieben. Denn was hier 1719 in Dresden als Prunkshow über die europäische Bühne ging, hatte viel mit einem Mann aus Leipzig zu tun: dem Kaufmann Andreas Dietrich Apel. Der tauchte zwar im Zusammenhang mit dem Dresdner „Hochzeitsschloss“ schon seit jeher in den Geschichtsbüchern auf, „aber in ganz anderer Rolle“. Als Stoffhändler nämlich. „Aber ich kann jetzt belegen, dass Apel die Stoffe, den Goldbrokat beispielsweise, für das Paradeschlafzimmer nahezu komplett in Leipzig produziert hat“, verweist die Kunsthistorikerin auf ihre neuen Erkenntnisse. „Was ja auch ein wichtiger Beleg für das Können und die Kunst der sächsischen Textilhandwerker ist!“ Am Leipziger Stadtrand hatte Apel eine Art Gartenpalais, „mit angeschlossenen Manufakturen“. Bei den Messe-Besuchen des sächsischen Herrscherpaares in Leipzig hatte August der Starke stets im Haus Apels am Markt genächtigt, seine Frau Eberhardine hingegen bevorzugte das Apelsche „Gartenparadies“. Vielleicht warf sie ja dabei auch den einen oder anderen Blick auf die Stoffe?
Es ist jedenfalls ein auch sächsisches Märchenschloss, das ab Ende September nach Dresden zurückkehren wird.
Von Jens Fritzsche

Der gestiefelte König – August der Starke
In diesen Schuhen wurde August der Starke zum polnischen König und er trug sie auch zur Hochzeit seines Sohnes. Jetzt gibt es sie doppelt.
August der Starke lebte auf relativ kleinem Fuß. Die Schuhe des Kurfürstkönigs maßen schließlich einst nur die Größe 40. Der Mann, der im Tierkreiszeichen des Stiers auf die Welt kam und sich selbst für den Größten hielt, wollte allerdings gern breitere Spuren hinterlassen und wünschte sich deshalb Schusters Rappen in überragender Qualität.

Letzte Exemplare aus dem fürstlichen Schuhschrank existieren noch in der Dresdner Rüstkammer. Die Paare sind jedoch ziemlich abgelatscht und außerdem zerbrechlich. Deshalb gaben die Staatlichen Kunstsammlungen den Dresdner Maßschuhmachern Alexander Preiß und Christian Legler den Auftrag, jene Stiefel, die der oberste sächsische August 1719 trug, nachzubauen. Das rekonstruierte Schuhwerk soll ab September in den Paraderäume des Residenzschlosses gezeigt werden. Die Exponate gehören dann zur Ausstellung, die die originale Garderobe August des Starken präsentieren, die dieser zu seiner Krönung 1697 sowie zur Hochzeitsfeier des Kurprinzen, aber auch zu anderen festlichen Gelegenheiten trug – ein weltweit einzigartiger Schatz barocker Textilkunst und europäischer Herrschaftsgeschichte.
ZWEI GLEICHE EXEMPLARE FÜR LINKS UND RECHTS
Die beiden Handwerker nahmen den Auftrag freudig an, ohne jedoch zu ahnen, dass dieses feine Schuhgeschäft sie über ein Jahr in Anspruch nehmen sollte, und sie Nachhilfe im Fach Archäologie nehmen mussten. Sie kramten in der Geschichte der Schuster und erforschten anhand der historischen Exemplare, wie ihre Vorfahren vorgingen. „Vor 300 Jahren stellte man Schuhe ganz anders her, als wir heute. Das mussten wir lernen“, sagt Alexander Preiß. Er vermaß zunächst die alten herrschaftlichen Bodden und stellte fest, dass damals nicht zwischen rechtem und linkem Schuh unterschieden, sondern zwei gleiche Exemplare für beide Füße hergestellt wurden. Außerdem modellierten die Schuhmacher damals keinerlei anatomische Formen, sondern tonnenähnliche Schäfte. „Das Bein formte den Schuh, nicht der Schuhmacher“, sagt Preiß. Ein weiterer Unterschied zwischen gestern und heute besteht darin, dass die Absätze nicht aus übereinander
liegenden Schichten von Leder gebaut, sondern Lederstreifen hochkant als Absatz angenäht wurden. Wie, das musste der Dresdner ebenfalls lernen, denn in diesem Winkel mit einer Ahle zu nähen, hatte er bisher nicht probiert.
Als größte Herausforderung empfanden er und sein Kollege allerdings das Obermaterial. Bisher arbeiteten die Handwerker vor allem mit Leder, bei Augusts Stiefeln handelte es sich innen um Lederfutter, aber außen um feinstes Seidengewebe, dessen Schussfaden mit einem Silberband umwickelt ist. „Eine unglaubliche Millimeterarbeit, da kostet der Quadratmeter um die 1 000 Euro“, sagt Preiß. In Europa existiert nur noch eine Weberei in Frankreich, die diese Webkunst beherrscht. Und dort kommt der Stoff auch her.
„Jede Berührung des Obermaterials hinterlässt Flecke. Wir tragen deshalb bei der Arbeit weiße Handschuhe, schützen das Gewebe mit Folie. Es darf weder mit Kleber noch mit Wasser in Berührung kommen, sonst beschlägt es sofort oder geht kaputt“, sagt Alexander Preiß. So benutzt er keinerlei Kleber, näht alle Einzelteile mit der Hand zusammen, ohne dass er sie im Prozess der Arbeit anpassen kann. Alles musste vorab angefertigt werden und dann passen. Beide Schuhmacher erlangten während der Arbeit enormen Respekt vor ihren Kollegen von damals. Allerdings haben sie die Stiefel anatomisch ausgebildet, denn in der Ausstellung trägt sie nicht der wahre August, sondern eine Figur, deren Beine eine menschliche Form besitzen. In jedem Fall aber strahlen die Stiefel in überragender Qualität, genauso, wie es sich der Kurfürst einst gewünscht hatte.
Von Peter Ufer

Siehe: https://www.traumhochzeit1719.de/echte-highlights/

ECHTE HIGHLIGHTS!
DIE TRAUMHOCHZEIT ERLEBEN

Mitfeiern in 3D – im Dresdner Zwinger
Die Traumhochzeit kehrt nach 300 Jahren in den Dresdner Zwinger zurück. Mit atemberaubenden Einblicken in ein Spektakel, dass seines Gleichen suchte.
August der Starke auf einem Feuerpferd. Was die staunenden Gäste der Hochzeit des sächsischen Kurprinzen und der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha im Jahr 1719 im Dresdner Zwinger erleben konnten, das können ab 28. Juni Besucher im Zwinger noch einmal zu sehen bekommen. Farbenfroh und in bewegten Bildern. In einer 270-Grad-Projektion mitten im Zwinger nämlich. Christian Striefler, Chef der Schlösserland Sachsen gGmbH erklärt das spektakuläre Projekt

ZwingerXperience:

Herr Striefler, eine Zeitreise in 3D zu einer Hochzeit, die vor 300 Jahren hier stattgefunden hat. Was ist die Idee dahinter?
Jedes Jahr strömen rund fünf Millionen Touristen in den Dresdner Zwinger. Sie schauen sich um, es gibt Touristenführer, die erzählen, wofür dieses Dresdner Wahrzeichen eigentlich gebaut worden war. Als Kulisse für die Hochzeit des Jahrhunderts nämlich. Aber wie sah das aus? Was haben sich August der Starke und Architekt Pöppelmann gedacht? Das quasi live nachzuerleben, macht nicht nur Geschichte lebendig, sondern auch fassbarer. Und wir erreichen auch junge Leute viel besser damit.

Was passiert hier ab Ende Juni?
In einem Kuppelzelt wird auf einer vier Meter hohen und 13 Meter langen Leinwand in 270 Grad-Projektion ein einmaliges Filmerlebnis laufen. Und das ist keine Fantasie, sondern beruht alles auf historischen Fakten, auf Zeichnungen, die wir animiert und koloriert haben. Die Besucher werden also tatsächlich sehen, was die Gäste vor 300 Jahren hier im Zwinger auch gesehen haben.

Das Ganze ist dabei sozusagen nur ein erster Teil einer dreidimensionalen Zeitreise?
Genau. Ein Jahr lang wird das Kuppelzelt hier im Zwinger stehen. Ab Sommer 2020 wird dann in der Bogengalerie des Zwingers die ZwingerXperience entstehen. Fünf multimediale Welten, in denen die Besucher erleben, wie sich der Zwinger über die Jahrhunderte entwickelt hat. Geführt von August dem Starken und Pöppelmann können sich die Besucher mit VR-Brillen auf eine wirklich atemberaubende und sehr lebendige Reise begeben. Das wird dann ein Dauerprojekt.
Von Jens Fritzsche

Weitere Informationen erhalten Sie hier: 
Eintritt 3 Euro, Kinder bis 5 Jahre frei, freier Eintritt mit Schlösserlandkarte
www.dresden-Xperience.de

Der große Rausch der Sachsen
Warum die Sachsen so gerne feiern? Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät den Grund. Und natürlich spielt auch August der Starke eine nicht unbedeutende Rolle dabei.
Sachsen trinken und feiern gern. Die Dresdner treiben es besonders oft. Im Grunde das ganze Jahr: Opernball, Barocktage, Filmfest, Schlössernacht, Hutball, Jazztage, Palais-Sommer, Schaubudensommer, Musikfestspiele, Dixieland-Festival, Stadtteilfeste und dazu immer ein Feuerwerk. Die Organisatoren verweisen dabei mit Recht auf die Pflege fürstlicher Traditionen, sie knüpfen ganz nüchtern ihre Existenzberechtigung an die promillegeschwängerte Vergangenheit.

Dazu gehört natürlich die Hochzeitsparty von 1719, die Kursachsen rund vier Millionen Taler gekostet haben soll. Höher, glänzender, spektakulärer hieß das Motto. Der Kurfürst stand im Mittelpunkt und berücksichtigte die Wechselwirkung zwischen plattem Amüsement und politischen Ambitionen. Außerdem zeichnete er damit den Nachkommen ein Bild von sich und seiner glanzvollen Welt. Jedes Ereignis bekam eine eigene dichterische und bildliche Darstellung. Geschichten wie aus dem Märchenland.
Die Wettiner begründeten schon im 16. Jahrhundert eine Feierkultur, die Vergnügen, Zeremoniell, Machtdarstellung, Essen und Trinken miteinander verband. Auch die Jagd gehörte dazu. Allein in der Regierungszeit von Johann Georg I. fanden ab 1611 knapp 1.000 Hirschjagden statt, im Jahr 1629 beispielsweise 117, also durchschnittlich jeden dritten Tag eine. Ein Fest zum Schießen. Jedem guten Schuss folgte dann auch ein guter Schluck. Nachdem im 30-jährigen Krieg die Feierei etwas abbrach, nahm danach Johann Georg II. die Kultur der kurfürstlichen Feste wieder auf. August der Starke baute die Festkultur barock aus und seine Kinder und Enkel führten sie mit Bravour fort. 1697 trat der Kurfürst beispielsweise beim Karneval als Alexander der Große auf, 1695 erschien er beim Faschings-Götteraufzug als Merkur.
AUGUST SKIZZIERTE HÖLZERNES AMPHITHEATER FÜR WAGENRENNEN
Als 1709 der König von Dänemark mit 116 Mann Gefolge nach Dresden kam, legte der sächsische Kurfürst persönlich die Platzierungen an der Tafel fest, gab Anweisungen zur Speisefolge, plante den Ablauf, skizzierte Kostüme, legte Regeln fürs Schießen und Gewinne fest, ließ ein hölzernes Amphitheater bauen, wo Wagenrennen stattfanden. Sieben Kronleuchter glänzten im großen Saal des Schlosses, ein Löwe, sieben Wildschweine, sechs Bären, ein Auer-, ein Büffelochse sowie zwei Pferde sollten gegeneinander kämpfen. Die Tiere kümmerten sich allerdings weder um den Kampfauftrag noch ums Publikum, das sich gelangweilt abwendete.
Der sächsische Adel pendelte von Fest zu Fest, von 365 Tagen verbrachten sie 50 bis 60 Tage im Feierrausch. Bis heute unvergessen bleibt das Zeithainer Lager von 1730. Eigentlich ein Manöver, um militärische Macht zu demonstrieren, wurde es eines der größten Trink- und Essspektakel der sächsischen Geschichte. Die Schau dauerte einen Monat, 30.000 Mann beteiligten sich daran. August zeigte sich drei Jahre vor seinem Tod letztmalig als fantasievoller Gastgeber, ließ für das Abschlussessen 800 Ochsen schlachten und von den sächsischen Bäckern einen Kuchen backen, der neun Meter lang, 2,40 Meter breit sowie 42 Zentimeter hoch reichte. Schlappe sechs Zentner wog das süße Ding. Jedes Jahr im Advent schieben deshalb bis heute Bäcker in einer Kutsche einen Riesenstollen auf den Striezelmarkt, um dann einzelne Stücke an die Weihnachtsmarktbesucher zu verteilen. Alles Tradition.
Ganz offensichtlich fuhren die Wettiner mit ihrer Festkultur ganz gut, denn während andere Adelsgeschlechter schnell ihre Macht verloren, regierten sie 998 Jahre ihr Reich. Das Vergnügen gehörte zum Machterhalt und richtete ziemlich lange keinen Schaden an. Erst im 19. Jahrhundert beendeten neue Kriege und Anfang des 20. Jahrhunderts bürgerliche Revolten die Adelsgelage. Das Feiern allerdings ließen sich die Sachsen nie verbieten. Sie erfanden zu jeder Zeit neue Feste und neue Möglichkeiten des Ausschanks.
Von Peter Ufer

VERANSTALTUNGSKALENDER
Ganzjährig                   Zeitreise Dresden 1719

28.04.-06.10.2019      Sonderausstellung Schloss Hubertusburg

19.05.-04.08.2019     300 Jahre Saturnfest

01.06.-03.11.2019     Glück auf und ab im Erzgebirg!

Ab 28.06.2019            Zwinger Xperience 1719

13.07.2019                 11. Dresdner Schlössernacht

24.08. – 25.08.2019    Barockes Pillnitzer Spielewochenende

25.08.2019                 Lustgondeln anno 1719

27.08.-01.09.2019     27. Barockfestspiele Schloss Batzdorf

ab 30.08.2019            Sonderausstellung im Verkehrsmuseums Dresden

06.09.-20.10.2019     Venusfest im Großen Garten

September 2019          Eröffnung der Paraderäume des Dresdner Residenzschlosses

Spätherbst 2019          Festung Xperience Dresden, Traumhochzeit1719, Zwinger Xperience 270 Grad Hochzeits-Spektakel

Ein rauschendes Fest zur Vermählung zweier Adliger: Zum 300. Jubiläum der Jahrhunderthochzeit zwischen Kurprinz Friedrich August und Kaisertochter Maria Josepha lockt der Dresdner Zwinger zu einem spektakulären Multimedia-Projekt.

Anlässlich des Jubiläums der Jahrhunderthochzeit erwartet die Gäste das spektakuläre Projekt ZwingerXperience  Quelle: PR
Es war die Traumhochzeit des Jahrhunderts, die 1719 ganz Europa staunend nach Sachsen schauen ließ. Kurprinz Friedrich August - Sohn des legendären Sachsenherrschers August des Starken - heiratete die Habsburger Kaisertochter Maria Josepha. Sachsen erhoffte sich davon mehr politisches Gewicht und die Kaiserkrone für den Kurprinzen. Deshalb ließ der starke August ein immerhin 40-tägiges Spektakel veranstalten, zu dem der Adel aus ganz Europa anreiste. Jetzt - genau 300 Jahre später - kann diese atemberaubende Traumhochzeit noch einmal gefeiert werden. Möglich macht das eine ungewöhnliche Halbkugel, die nun mitten im Zwinger Besucher lockt.
Besucher werden Teil der Traumhochzeit
Unter dem Motto "ZwingerXperience" läuft auf einer vier Meter hohen und 30 Meter langen Leinwand eine 270 Grad-Projektion; ein einmaliges Filmerlebnis. Die dabei präsentierten Clips sind allerdings keine bloßen Fantasien, sondern aufwendig aufgearbeitete, animierte und kolorierte historische Zeichnungen und Stiche, auf denen die Traumhochzeit bis ins Heute erhalten geblieben ist. In der "ZwingerXperience" werden die Besucher nun also 300 Jahre später selbst zu Hochzeitsgästen und sind zehn Minuten lang Teil des Spektakels.
Teil einer dreidimensionalen Zeitreise
Das ungewöhnliche Kuppelzelt nimmt dabei bis in den Sommer 2020 hinein die Besucher mit auf atemberaubende Zeitreise. Dann wechselt das Spektakel in die Bogengalerie des Zwingers, wo dann fünf multimedialen Welten - unter anderem mit 3D-Technik - die Geschichte des Zwingers erzählen werden. Die Traumhochzeit des Jahrhunderts wird dort natürlich eine Hauptrolle spielen. Immerhin hatte August der Starke den Zwinger 1719 extra für die Hochzeitsfeierlichkeiten bauen lassen.