Sächsische Zeitung auf Entdeckertour am 28.April in Hubertusburg und Prof. Dirk Syndram glaubt an die Zukunft unseres Schlosses


Was am Sonntag in Wermsdorf los ist

Aus Sächsische Zeitung Online 22.04.2013

Die Schlosskapelle in Wermsdorf wird extra für die SZ-Entdeckertour geöffnet. Sie ist dem Schutzheiligen der Jäger, Sankt Hubertus, geweiht.

Knapp zwölf Kilometer westlich von Oschatz liegt Hubertusburg, Sachsens größtes spätbarockes Jagdschloss. August der Starke hatte es für seinen Sohn, den späteren König August III., bauen lassen. Einst war es schöner und prächtiger als Schloss Moritzburg. An diesen Glanz wollen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) mit einer Sonderausstellung erinnern. „Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763“ öffnet am Sonntag, 28. April, ihre Tore für das Publikum. Sie ist gleichzeitig – nach der Eröffnung des Riesensaals im Dresdner Residenzschloss – die zweite Station der SZ-Entdeckertour in diesem Jahr. Sechs Räume der Beletage sind für die Exposition zugänglich. Die Staatlichen Kunstsammlungen und die Sächsische Zeitung bieten am Sonntag auf Schloss Hubertusburg ein abwechslungsreiches Programm.

Die Ausstellung

Drei der Räume befassen sich mit der höfischen Jagd, zeigen kunstvoll gefertigte Waffen und Jagdutensilien, aus Messing getriebene Parforcehörner, Gemälde und Vasen aus Meissener Porzellan. Die restlichen Räume widmen sich dem Leben am Hofe Augusts III. und erinnern an den Siebenjährigen Krieg. Dabei auch an die Plünderung des Schlosses durch die Preußen. Zu den kostbaren Exponaten gehören ein Audienzstuhl des Königs, eine Porzellanfigur, die August III. als Imperator hoch zu Ross zeigt, und eine Münze, die an den Friedensschluss erinnert. Zu bewundern sind auch die beiden Krönungsschwerter Augusts III.

Das Friedensfenster

Ein weiterer Anziehungspunkt im Schlossensemble ist das sogenannte Friedensfenster. Der sächsische Finanzminister Georg Unland hat es kurz vor Ostern im Westflügel der Anlage eingeweiht. Es zeigt eine stark vergrößerte Handschrift aus dem Friedensvertrag von 1763, der den Siebenjährigen Krieg beendete. Im beeindruckenden Ovalsaal des Schlosses präsentieren die Landesbühnen Sachsen von 11 bis 17 Uhr Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm (siehe Beitrag rechts).

Sachsens Glanz

Im Kultursaal (Ostflügel) sind Ausschnitte aus dem Filmepos „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ nonstop zu sehen. Außerdem haben die Filmstudios Babelsberg sechs Originalkostüme aus dem Film bereitgestellt. Auch sie kann man im Kultursaal bewundern. Um 15 Uhr gibt es dort einen ganz besonderen Vortrag: Der SZ-Autor Dr. Matthias Donath erläutert dem Publikum, ob Sachsens rund 800 Schlösser noch zu retten sind.

Schlosskapelle und Führungen

Von 10.30 Uhr bis 11.15 Uhr wird in der Schlosskapelle ein Gottesdienst abgehalten. Ab 15 Uhr ist das normalerweise verschlossene architektonische Kleinod für die Besucher geöffnet. Um 18 Uhr gibt es dort ein Chorkonzert. Der Freundeskreis des Schlosses bietet 10.30, 11.30, 13.30 und 14.30 Uhr Führungen durch die Außenanlagen an. Sie dauern etwa eine Stunde und kosten zwei Euro (Tickets am SZ-Entdeckerstand). Zudem marschieren Mitglieder des Dresdner Barock-Traditionsvereins „Dreispitz“ in historischen Kostümen auf. Für Kinder haben die Museumspädagogen der SKD ein eigenes Programm. Sie bieten Porzellanmalerei an. Das Schlosscafé wartet in Zelten mit seiner Gastronomie auf. Direktvermarkter aus der Region sind mit Spezialitäten wie Bisonfleisch vor Ort.

Ticketverkauf

Eintrittskarten zur SZ-Entdeckertour gibt es zu 2,50 Euro ausschließlich in allen SZ-Treffpunkten. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben freien Eintritt. Tickets können auch noch am Sonntag direkt am Schloss gekauft werden, für fünf Euro. (SZ)

Nie wieder Dornenhecken

Museumschef Dirk Syndram glaubt an die Zukunft des Jagdschlosses in Wermsdorf. Er hat auch schon eine Idee.

Von Birgit Grimm

Pietro Antonio Graf Rotari porträtierte 1775 den polnischen König August III. Foto: SKD; Fotos: Elke Estel/ Hans-Peter Klut (2)

Ein Schloss allein ist nicht genug. Ein zweites muss her: größer, schöner, prächtiger. Dirk Syndram, Schlossherr in Dresden, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, hat sein Zweitschloss schon vor mehr als zwanzig Jahren gefunden. Schloss Hubertusburg heißt das Ziel seiner Träume. Es steht in Wermsdorf, zwischen Dresden und Leipzig auf dem platten Land.

„Zum ersten Mal war ich 1992 hier, kurz nachdem ich erfahren hatte, dass ich das Grüne Gewölbe übernehmen werde. Ich hatte mich auf den Weg gemacht, um meine Kollegen in Dresden kennenzulernen und bin spontan von der Autobahn abgefahren, als ich den Ort Wermsdorf ausgeschildert sah.“ Syndram wusste, dass in diesem kleinen Ort mit dem Frieden von Hubertusburg einst Weltgeschichte geschrieben wurde. Am 15. Februar 1763 wurde auf dem königlichen Jagdschloss in der sächsischen Provinz der Siebenjährige Krieg beendet. Preußen und Österreich sowie Preußen und Sachsen schlossen Friedensverträge und beendeten einen Krieg, der erbittert in der halben Welt geführt worden war. England, Frankreich, Nordamerika waren damals daran beteiligt.

Syndram erinnert sich an seinen ersten Besuch: „Vor zwanzig Jahren sah das hier alles noch nicht so gut aus wie jetzt, aber ich war damals schon überwältigt. Ich hatte nicht erwartet, Hubertusburg noch so vollständig vorzufinden.“ Die Preußen hatten 1763 das Jagdschloss bis auf den letzten Nagel ausgeweidet. Möbel, Gemälde, Porzellan, Parkettfußböden, Seidentapeten, ja sogar das Kupferdach schleppten sie weg. Nur die äußere Hülle dieser herrschaftlichen Anlage erinnert heute noch daran, dass Hubertusburg neben Dresden die zweite sächsische Residenz war und das zweitgrößte Jagdschloss des 18. Jahrhunderts in Europa ist.

August der Starke ließ ab 1721 auf der grünen Wiese ein dreiflügliges Schloss bauen und mit Teichen und Wildrevieren eine Kulturlandschaft anlegen. Seinem jagdbegeisterten Sohn hat er damit wohl mehr als nur eine Freude gemacht. Der bestieg nach dem Tod seines Vaters als Kurfürst von Sachsen und als König von Polen und Litauen den Thron und baute Schloss Hubertusburg zur Residenz aus. August III. war nicht so häufig in Warschau wie sein Vater. Ihn zog es stattdessen jedes Jahr im Herbst nach Wermsdorf. Und der ganze Hofstaat musste mit, auch der polnische Hofmarschall – und die Oper. Ein hölzernes Opernhaus wurde auf dem Schlossareal errichtet. Auch den Pferden und der Hundemeute fehlte es an nichts. Sie hatten Ställe, und das Hundefutter wurde in einer eigenen Küche zubereitet. Die Tiere hielten das ganze Jahr über die Stellung auf Hubertusburg. Wo hätte man sie auch in Dresden unterbringen sollen? Wo in Moritzburg, dem zauberhaften Jagdschloss, das im Vergleich zu Hubertusburg wie eine luxuriöse Jagdhütte wirkt?

Vom Glanz des sächsischen Rokoko ist trotz der Plünderungen und der verschiedenen Nutzungen im 19. und 20. Jahrhundert vieles geblieben. Aber längst nicht alles ist in einem so vorbildlichen Zustand wie die Schlosskapelle mit dem Deckengemälde von Giovanni Battista Grone. „Schloss Hubertusburg ist wie von einer Dornenhecke umgeben“, meint Dirk Syndram und hat seit seinem ersten Besuch immer wieder daran gedacht, das Dornröschenschloss wachzuküssen. „Inzwischen sind wir viele Prinzen und Prinzessinnen, die sich an Dornröschen rangemacht haben. Wir sind ein ganzes Kuss-Bataillon, zu dem Sachsens Finanzminister gehört, der Wermsdorfer Bürgermeister, die Damen und Herren vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement und natürlich unser kleines Team von den Staatlichen Kunstsammlungen, das die Ausstellung für diesen Sommer vorbereitet.“ Sie wird am Wochenende eröffnet. Die Leser der Sächsischen Zeitung werden die Ersten sein, die diesen verborgenen Schatz im Landkreis Nordsachsen entdecken können.

Es ist auch ein Blick in verborgene Bestände der Dresdner Rüstkammer, der jetzt dort geboten wird. Wer meint, mit Türckischer Cammer und Riesensaal kenne er sich aus und wüsste über die Vergnügungen am sächsischen Hof Bescheid, der wird auf Schloss Hubertusburg staunen. Denn auch das Jagdwesen der Kurfürsten war königlich entwickelt. Es gehörte zu den adligen Tugenden, das Wild mit einer riesigen Hundemeute zu Tode zu hetzen. Sogar die Damen hetzten mit. Maria Josepha zum Beispiel. Die Kurfürstin ritt so leidenschaftlich auf die Jagd wie ihr Gatte. In den Wermsdorfer Wäldern blies man damals vor allem zur Parforcejagd – mit Jagdhörnern, die heute zur Sammlung der Rüstkammer gehören und in der Hubertusburger Ausstellung natürlich nicht fehlen. Kostbare Jagdwaffen sind zu sehen in Vitrinen, die in der Osthalle der Dresdner Sempergalerie historische Waffen präsentierten, bis die Rüstkammer in den Riesensaal des Schlosses zog.

Ein Hirschfänger ist nicht einfach nur ein Hirschfänger, wenn August III. ihn auf der Jagd bei sich trug. Er ist eine kostbar verzierte Jagdwaffe, fast zu schön, um damit einem Geweihträger den Todesstoß zu versetzen. Und das ausgestellte Hundehalsband ist so gigantisch, dass es nur ein echter Monsterhund getragen haben kann.

Die Jagd war ein repräsentatives Vergnügen. Die besten Kunsthandwerker und Waffenschmiede arbeiteten für den sächsischen Hof, und das Equipment wurde vorbildlich verwahrt. Im Dresdner Schloss wird es künftig einen Raum zur höfischen Jagd geben. „Die Rüstkammer hat eine der besten Jagdsammlungen in Europa“, sagt Dirk Syndram. „Damit könnten wir durchaus ein ganzes Museum einrichten. Es ist ja nicht so wie bei armen Leuten.“

Und dann kommt er ins Schwärmen über das Kurfürstenpaar und die nachhaltige Politik von August III. ,„Er hat die Künste und die Wirtschaft gefördert. Es war billiger, keinen Krieg zu führen, und nachhaltiger war es sowieso. August III. war kein Verschwender, aber Friedrich II. war einer. Die Besetzung Sachsens hat 250 bis 300 Millionen Taler gekostet. Der Preußenkönig hat sich 1743 darüber beklagt, dass sein polnischer Amtskollege nicht genug Geld hatte, vernünftige Kanonen anzuschaffen, um eine schlesische Stadt einzunehmen. August hatte gerade den Grünen Diamanten für 400000 Taler gekauft, den wir noch heute im Grünen Gewölbe bewundern können“, erzählt der Museumschef, der in Hamburg, London und Paris studierte und ausgewählte Schätze des Grünen Gewölbes in Europa, Nordamerika und China zeigte.

„Als wir 2006 das Historische Grüne Gewölbe eröffneten, habe ich gedacht, ich hätte meine Pflicht getan. Aber zum Ausruhen kam ich nicht.“ Er übernahm die Leitung der Rüstkammer, richtete mit seinen Kollegen die Türckische Cammer und den Riesensaal ein, forscht und schreibt Bücher, lehrt an der Uni und entwickelte als Schlossdirektor ein Museumskonzept fürs Dresdner Residenzschloss, „von dem ich hoffe, dass es in meiner Wirkungszeit noch komplett realisiert wird.“ Dirk Syndram ist 57 und macht derzeit in Dresden und in Wermsdorf das, was er auch zu Hause am liebsten tut: „Kreativ sein, Neues erfinden und mehrere Pfannen gleichzeitig in meiner Küche beobachten“, sagt der leidenschaftliche Koch.

Schloss Hubertusburg ist dem Dresdner Museumsmann ans Herz gewachsen, weil es voller Visionen steckt. Manche davon werden digital sichtbar gemacht und geleiten die Besucher durch leerstehende Areale, hinein in den Festsaal zum Beispiel, der einst voller Gemälde war und fast so groß ist wie der Riesensaal im Dresdner Schloss. Andere Visionen stecken in der Ausstellung selbst, die so überzeugend inszeniert ist, dass sie die Tür öffnen könnte zu einem sächsischen Jagdmuseum. Schloss Hubertusburg wäre dafür der perfekte Ort. Am 5. Oktober, dem Todestag von August III., schließt die Ausstellung. Aber wer weiß, vielleicht entfaltet der bevorstehende Sommer eine so bezaubernde Wirkung, dass um Schloss Hubertusburg nie wieder Dornenhecken wachsen.

 

 Maria Josepha war die Gemahlin Augusts III. Auch dieses Porträt von Rotari gehört der Galerie Alte Meister.

Groß, größer, Jagdschloss: Eine wahrhaft königliche Anlage ist das Schloss Hubertusburg in Wermsdorf. Bis zum 5. Oktober lädt die Zweitresidenz Augusts III. zu Entdeckungen ein. Foto: Wolfgang Schmidt

 

Nur keine Fingerabdrücke hinterlassen! Die weißen Handschuhe sind Pflicht beim Einrichten einer Museumsausstellung. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Dresdner Rüstkammer, lädt ab Sonntag zur Sonderausstellung „Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763“ nach Wermsdorf. Foto: Thomas Kretschel

SZ mit Pavillon und neuem Buch

Die Sächsische Zeitung ist vorm Schloss mit einem eigenem Pavillon vertreten. Im Angebot sind vor allem die Schlossbücher des SZ-Autors MatthiasDonath und Neuerscheinungen der edition Sächsische Zeitung bzw. RuV Elbland. Zudem gibt es hier die Tickets für die Führungen durchs Schlossgelände.

Pünktlich zum SZ-Entdeckertag geben die edition SZ und die SKD gemeinsam ein 224-seitiges Buch heraus, das den gleichen Titel trägt wie die Ausstellung: „Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763“. Das Schloss wird mit diesem Band zum ersten Mal ausführlich vorgestellt. Er ist für 14,90 Euro im Schloss zu kaufen. (SZ)

Landesbühne jede Stunde im Ovalsaal

11 Uhr: Die Welt ist himmelblau

Mit Ausschnitten aus Ralf Benatzkys Singspiel „Im Weißen Rössl“ bringen die Wirtin und ihr Zahlkellner Leopold gute Laune nicht an den Wolfgang-, sondern an den Horstsee. Es singen und spielen Guido Hackhausen, Silke Richter, Miriam Sabba, begleitet von Thomas Tuchscheerer am Klavier.

12 Uhr: Pariser Bohémien

Es ist ein musikalisch-literarisches Programm mit Werken von und Zeugnissen über Richard Wagner, aus dem Guido Hackhausen, Kazuhisa Kurumada, begleitet von Thomas Tuchscheerer am Klavier, Ausschnitte darbieten.

13 Uhr: Etwas Wunderbares ...

… von dir geliebt zu werden – und das im Weißen Rössl. Zu einer zweiten Stippvisite in das bekannte Restaurant im Salzkammergut werden die Gäste der SZ-Entdeckertour von Guido Hackhausen, Silke Richter, Miriam Sabba und dem Pianisten Thomas Tuchscheerer eingeladen.

14 Uhr: Märchenzeit mit Aschenbrödel

Die Ausschnitte aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ machen neugierig auf die Uraufführung eines Musicals zum gleichnamigen tschechisch-deutschen Märchenfilm von Vaclav Vorlicek und Frantisek Pavlicek. Der Komponist Thomas Zaufke durfte für die Komposition zur Uraufführung des Märchenmusicals die berühmte Filmmusik von Karel Svoboda verwenden.

15 Uhr: Pyramus und Thisbe

Die in Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ von Handwerkern gespielte Geschichte ist Inhalt der Mock-Opera von Friedrich Lampe. Sie kam 1745 als kleines musikdramatisches Werk auf die feudalen Bühnen. 2013 feierte sie im Ovalsaal des Schlosses Hubertusburg ihre jüngste Premiere. Thomas Gläser begleitet am Klavier.

16 Uhr: Noch mal Aschenbrödel

In der Nähe des Drehorts des Märchenfilms wird das neue Musical am 22. Juni Premiere haben: auf der Felsenbühne Rathen. Und:

17 Uhr: Noch mal Pyramus und Thisbe. (SZ)