Prälat Scheipers starb am 2. Juni 2016 und mit ihm ein Stück Hubertusburger Geschichte

Auf der Webseite des Bistums Dresden Meissen wird berichtet:

http://www.bistum-dresden-meissen.de/aktuelles/praelat-hermann-heipers-1...

Charismatischer Streiter der Gottes- und Nächstenliebe

 

Letzter überlebender Priester des KZ Dachau Hermann Scheipers (102) verstorben

Prälat Hermann Scheipers an seinem 70. Priesterjubiläum 2007.„Großes hat Er an mir getan und Sein Name ist heilig.“
  (Lk 1,49)

Gott, der Herr über Leben und Tod, hat den Priester des Bistums Dresden-Meißen

 Prälat Hermann Scheipers

am 2. Juni 2016 im Alter von 102 Jahren in sein himmlisches Reich gerufen.

Er war der letzte noch lebende Priester, der im nationalsozialistischen Konzentrationslager Dachau gewesen ist. Hermann Scheipers wurde am 24. Juli 1913 geboren und empfing 1937 die Priesterweihe im St.-Petri-Dom in Bautzen und trat seine erste Stelle als Kaplan in Hubertusburg an. Dort wurde er am 4. Oktober 1940 verhaftet, weil er sich als Seelsorger offen für polnische Zwangsarbeiter einsetzte und gemeinsam mit ihnen einen Gottesdienst feiern wollte. Vom Polizeigefängnis Leipzig aus kam er im März 1941 ins KZ Dachau. Im KZ Dachau wurde er als Staatsfeind eingestuft. In seinen Berichten kommentierte er diese Widerfahrnisse häufig mit der Aussage: „Ich habe Gott eine Blankovollmacht für mein Leben erteilt“. Am 27. April 1945 gelang ihm die Flucht in die Freiheit auf einem der letzten Todesmärsche.

Im Sommer 1945 wirkte er für kurze Zeit als Kaplan in Gronau, doch sein Wunsch war die Rückkehr in sein Heimatbistum Meißen. 1946 trat er in den Seelsorgedienst unseres Bistums und wirkte bis 1950 auf Kaplansstellen in Radebeul, Berggießhübel, Dresden-Johannstadt, Freital und Wilsdruff, wo er 1957 Pfarrer wurde. Von 1960 bis 1983 war er Pfarrer in Schirgiswalde. In dieser Zeit war er zahlreichen Verfolgungen durch die DDR-Staatssicherheit ausgesetzt. Die Stasi versuchte ab 1970 gegen ihn einen Strafprozess einzuleiten. Der Prozess kam nur aus kirchenpolitischen Erwägungen nicht zustande.

Seinen Ruhestand verbrachte Hermann Scheipers ab 1983 zunächst in Münster-Amelsbüren. Seit 1990 lebte er in seiner Heimatstadt Ochtrup, zuletzt im Altenpflegeheim Carl-Sonnenschein-Haus. Er widmete sich in seinen letzten Jahren der Erinnerungs- und Zeitzeugenarbeit. Staat und Kirche ehrten ihn mit Auszeichnungen: 2003 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Päpstlichen Ehrenprälaten, zudem erhielt der Geistliche unter anderem das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen.

Das Bistum Dresden-Meißen und viele Menschen darüber hinaus sind dankbar und bereichert durch das Leben und Wirken eines Christen, der geradlinig und unerschrocken, zugleich aber leise und bescheiden war. Er war ein vernehmbarer charismatischer Streiter für Gottes- und Nächstenliebe, der voller Hingabe, in beharrlicher Haltung und feinem Humor seine Berufung als katholischer Priester lebte.

Im Seligsprechungsverfahren für Alojs Andritzki war er ein wichtiger Zeuge. Bei dessen Seligsprechungsfeier am Pfingstmontag 2011 konnten ihn noch einmal tausende Christen des Bistums Dresden-Meißen erleben, wie er mit jener geistigen Kraft, die ihm bis zuletzt erhalten geblieben ist, von seiner Beziehung zum ersten Seligen unseres Bistums sprach. „Du, wir wollen sehen, dass wir zusammenbleiben“ waren die letzten Worte, die Alojs Andritzki in der Krankenbaracke zu ihm sagte. Daran anknüpfend erläuterte er, dass diese Beziehung für ihn über den Tod hinaus lebendig geblieben ist und dass es für jeden so sein kann, der auf Gott setzt. Nun sind diese beiden Glaubenszeugen unseres Bistums im Himmel vereint.

R.i.P.

Dresden, den 3. Juni 2016

Andreas Kutschke
Diözesanadministrator

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Der Prälat Scheipers war bereits 2006 als Referent bei den 1. Hubertusburger Friedensgesprächen dabei und er sprach am 23.9.2006 über sein Lebensthema  "Kaplan in Wermsdorf und Häftling im KZ Dachau: Die NS-­Zeit und das Danach"

Unser Verein wird ihn stets in ehrender Erinnerung behalten.